Zweitagesübung mit vielen brandgefährlichen Szenarien

Wenn’s in der Mietskaserne lodert…
Zweitagesübung der Feuerwehr mit vielen brandgefährlichen Szenarien

Es gibt viele Situationen, da möchte man nicht in der Haut eines Feuerwehrmannes stecken. Die sogar für ausgebildete Brandschützer sehr gefährliche Rauchgasexplosion, bei der Temperaturen von über  1 000 Grad entstehen können, gehören auf jeden Fall dazu. Von Petra Grimm

Babenhausen – Sie drohen in einem geschlossenen Raum, wenn sich durch große Hitze oder Verbrennung ein bestimmtes Gasgemisch entwickelt und durch die Zufuhr von Sauerstoff, beispielsweise weil ein Tür geöffnet wird, plötzlich entzündet.

 

Um sich vor diesem brennenden Rauch zu schützen, der wie eine Flammenwand auf sie zuschießt, müssen die Einsatzkräfte reaktionsschnell einen „Wasserschirm“ um sich herum bilden. Eine wichtige Technik, die trainiert werden muss. Dazu reißt ein Feuerwehrmann seinen Kameraden, der den Schlauch hält, blitzschnell nach hinten. Beim Umfallen muss dieser den Wasserstrahl nach oben richten, damit ein Schutzschirm entsteht. Das überlebenswichtige Training war Bestandteil der fünf Stationen, die bei der Zweitagesübung der Babenhäuser Feuerwehr auf dem Kasernenareal „abgearbeitet“ wurden. Zu den Themen in Theorie und Praxis gehörten die persönliche Schutzausrüstung und Arbeitsgeräte, der Umgang mit dem Lüfter, der Löscheinsatz im Innenangriff, Schlauchmanagement und Strahlrohrhandling. Die Küchencrew der Wehr sorgte wieder hervorragend für die Verköstigung der Übungsteilnehmer.

ei einer großen Abschlussübung am Samstagnachmittag wurde das an den Stationen Geübte dann zusammengeführt und gemeinsam umgesetzt. Dabei galt es, eine komplexe Gefahrenlage zu bewältigen. „Das Szenario war ein Brand im Obergeschoss eines Gebäudes, in dem sich noch Menschen aufhalten und das stark verraucht ist, sodass die Fluchtwege nicht mehr nutzbar sind. Als Schwierigkeit wurde eingebaut, dass der Teleskopgelenkmast der Feuerwehr wegen Wartungsarbeiten nicht zur Verfügung steht und Alternativen zur Rettung umgesetzt werden müssen“, erklärte Pressesprecher Werner Flechsenhar.

0 der 71 aktiven Feuerwehrleute der Kernstadtwehr beteiligten sich und investierten ihre Freizeit, denn es geht nicht nur darum, im Ernstfall effektiv helfen zu können, sondern auch, sich selbst schützen zu lernen. „Bei dieser Zweitagesübung, die einmal im Jahr stattfindet, haben wir mehr Zeit, die Basics zu üben und zu vertiefen“, sagte Flechsenhar. Vor allem auch für die Jugendfeuerwehrleute, die jedes Jahr neu in die Einsatzabteilung aufgenommen werden, sei es wichtig, bestimmte Grundlagen intensiv und ohne Zeitdruck zu lernen.

Neben den Ausbildern aus den eigenen Reihen war auch Kreisausbilder Christian Stoss aus Mosbach im Einsatz. Er hatte die Station mit dem Innenangriff übernommen, zeigte, wie Leitern innen und außen genutzt werden und wie man in einem Brandraum vorgeht. Die Übung ausgearbeitet hatten der stellvertretende Wehrführer Maximilian Willand, Sören Grundmann und Frederick Schmitt im Team.

Eines der großen, mehrstöckigen, seit Jahren verlassenen Wohnhäuser, die demnächst abgerissen werden, war ein idealer Platz für die Stationen. „Man muss hier nicht aufpassen, dass etwas kaputt geht“, sagte Willand und wies darauf hin, dass die Kernstadtwehr nicht nur regelmäßig mit den Wehren aus den Stadtteilen gemeinsam übt, sondern auch mit denen aus Nachbarorten. So habe man im Mai mit den Schaafheimer Blauröcken gemeinsam trainiert und plane im August eine gemeinsame Übung mit Rodgau. Denn wegen der in allen freiwilligen Feuerwehren niedrigen Tagesalarmstärke sind die Brandschützer zunehmend auf ein Miteinander und die Bündelung ihrer Kräfte angewiesen. So werden in Babenhausen bei größeren Einsätzen tagsüber automatisch mehrere Stadtteilwehren alarmiert, da während der üblichen Kernarbeitszeiten, überall nur wenige Feuerwehrleute zur Verfügung stehen.

Wer sich der ehrenamtlichen Truppe in Babenhausen anschließen möchte, ist zu den Treffen jeden Donnerstag von 19 bis 22 Uhr im Stützpunkt in der Seligenstädter Straße 23a eingeladen. Die Jugendfeuerwehr, die aus 35 Jugendlichen ab zehn Jahren besteht, trifft sich montags von 18 bis 20 Uhr und die 25 kleinen Löschfüchse der Kinderfeuerwehr kommen jeden zweiten Montag zusammen. Ihre Termine finden sich auf der Homepage der Babenhäuser Feuerwehr.

Text und Foto: Petra Grimm

Quelle: op-online